Volvo Trucks: Interesse an LNG-Antrieb steigt quer durch Europa

Hersteller bemerkt verstärktes Interesse an Gas als Alternative zu Diesel für den Lkw-Verkehr in Europa. Generell setzt man auf einen Energiemix - LNG, den optimierten Diesel und langfristig die Brennstoffzelle.

Gas geben: Auch bei Volvo Trucks sieht man den LNG-Antrieb derzeit als einzige verfügbare Alternative zum Diesel. | Foto: Volvo Trucks
Gas geben: Auch bei Volvo Trucks sieht man den LNG-Antrieb derzeit als einzige verfügbare Alternative zum Diesel. | Foto: Volvo Trucks
Johannes Reichel

Der schwedische Lkw-Hersteller Volvo Trucks will vermehrtes Interesse von Spediteuren und Verladern wahrgenommen haben, zur Reduktion ihrer CO2-Emissionen und Kosten auf Lkw mit LNG-Antrieb zu setzen. Daher würden der neue Volvo FH und der neue Volvo FM mit Motoren ausgestattet sein, die mit verflüssigtem Erd- und Biogas betrieben werden und deren Leistung mit der von Dieselmotoren identisch ist, kündigte der Hersteller an. Die Verwendung von Biogas ermögliche einen klimaneutralen Transport und die Reduzierung der CO2-Emissionen um bis zu 100 Prozent. Der Green Deal der EU zeige deutlich, welchen Weg die Transportbranche einschlagen müsse, um die Zukunft sauberer zu gestalten, plädiert der Anbieter. Dazu zähle auch das Ende der Nutzung fossiler Kraftstoffe.

„Im Fernverkehr sind Lkw mit Flüssiggasantrieb derzeit die wirtschaftlich tragfähigste Alternative zu herkömmlichem Diesel. Dieser Kraftstoff ist in ausreichend großen Mengen und zu einem wettbewerbsfähigen Preis erhältlich. Die vermehrte Nutzung gasbetriebener Lkw schafft günstige Voraussetzungen für den schrittweisen Umstieg auf verflüssigtes Biogas“, meint Lars Mårtensson, Direktor Umweltschutz und Innovation bei Volvo Trucks.

Die Energieeffizienz des von Volvo Trucks für verflüssigtes Bio- und Erdgas verwendeten Antriebs sei mit der seiner dieselbetriebenen Pendants vergleichbar, erzeuge jedoch deutlich weniger CO2-Emissionen. Durch die Verwendung von verflüssigtem Biogas, das auch Bio-LNG genannt wird, ließen sich die TTW-Nettoemissionen („Tank To Wheel“) um bis zu 100 Prozent reduzieren. Bei Verwendung von Erdgas anstelle von herkömmlichem europäischem Dieselkraftstoff, könne man die TTW-Emissionen bereits um rund 20 Prozent senken.

Hohe Investitionen nötig: Reduzierung der Diesel-Abhängigkeit
Die Erzeugung von Biogas ohne fossile Energieträger erfordere eine größere Anzahl von Produktionsanlagen zur anaeroben Vergärung von Abfällen mit der Möglichkeit, das Gas abzukühlen und auf diese Weise zu verflüssigen. Verschiedene Studien kommen laut Volvo Trucks zu dem Schluss, dass bis 2030 etwas mehr als 20 Prozent des Dieselkraftstoffs in Europa durch Bio-LNG aus erneuerbaren Quellen ersetzt werden könnten. Die Zahl der Flüssiggastankstellen nehme stetig zu, und auf vielen Strecken stelle dieses Angebot schon jetzt eine Alternative zu Diesel dar. Allerdings müsse der Ausbau des Tankstellennetzes auch mit der Zunahme der Zahl gasbetriebener Lkw Schritt halten. Darüber hinaus sollten Maßnahmen ergriffen werden, die es Transportunternehmern erleichtern, in großem Stil in gasbetriebene Nutzfahrzeuge zu investieren, wie Lars Mårtensson weiter fordert.

Kraftstoffmix in Zukunft notwendig
Da kein einzelner Energieträger in der Lage ist, alle Herausforderungen im Zuge des Klimawandels zu bewältigen, werde es auf absehbare Zeit parallel unterschiedliche Kraftstoffe und Antriebe geben, so die Prognose der Schweden. In Europa werde der Anteil der gasbetriebenen Lkw schrittweise zunehmen. Allerdings würden gasbetriebene Fahrzeuge nicht alle Herausforderungen im Transportwesen bewältigen können.

"Elektromobilität wird sowohl auf lokaler als auch auf regionaler Ebene eine wichtige Rolle spielen, und die Entwicklung von Batterien und Ladeinfrastruktur wird ein wichtiger Faktor bei ihrem Ausbau sein“, erklärt Lars Mårtensson.

Im Fernverkehr habe Elektromobilität auf der Basis von mit Wasserstoff gespeisten Brennstoffzellen langfristig das Zeug dazu, Batterien überflüssig zu machen.

"Ungeachtet der vielversprechenden Entwicklungen auf dem Gebiet der Brennstoffzellentechnologie müssen noch einige Hindernisse praktischer und finanzieller Natur überwunden werden, bevor sich mit dieser Technologie deutliche Klimavorteile im Lkw-Verkehr erzielen lassen“, ist Lars Mårtensson überzeugt.

Den Diesel noch nicht abschreiben

Trotz aller technischen Fortschritte in Sachen Elektromobilität werde die kontinuierliche Verbesserung des Wirkungsgrads von Verbrennungsmotoren aber auch in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle bei der Reduzierung der Klimabelastung spielen. Mit den heutigen Motoren lasse sich schon jetzt viel anfangen, um die Klimabilanz zu verbessern, wirbt Mårtensson. So ließen sich etwa neue wie auch ältere Diesel-Lkw von Volvo mit HVO betreiben, ein Biokraftstoff, der der laut Anbieter wenig CO2-Nettoemissionen erzeugt.

"Die Herausforderung besteht darin, dass die Verfügbarkeit von Biokraftstoffen weiterhin so begrenzt ist“, schränkte Lars Mårtensson ein.

Volvo Trucks, dessen größter Aktionär der auch an Daimler beteiligte chinesische Geely-Konzern ist, hatte vor kurzem die Kooperation mit Daimler Trucks beim Thema Brennstoffzellenentwicklung für Lkw bekanntgegeben. Die Aktivitäten sollen in einem Joint Venture gebündelt werden.

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