Tropos Able: Das ideale Maß

Die Mosolf-Tochter produziert einen L7E-Van, der in zwei Akku-Qualitäten zwischen 80 bis 260 Kilometer fährt und per Schnellwechsel-Aufbau flexibel ist. Zudem bietet er 565 Kilo Nutzlast, Laden per Haushaltsstrom – und einen Preis ab 18.000 Euro.

Foto: J. Reichel
Foto: J. Reichel
Redaktion (allg.)

Jetzt geht’s also wirklich los: Schon auf der Hypermotion in Frankfurt im vergangenen November war die Mosolf-Tochter Tropos Motors Europe mit einem Stand präsent und warb für ihren Leicht-Elektrotransporter. Und jetzt startet man in Herne bei Bochum in die erste europäische Produktion. Ursprünglich wollte man den Auftakt vor großem Publikum begehen, hatte den Termin aber wegen der Coronakrise absagen müssen.
Die Leicht-Elektrofahrzeuge, die mit verschiedenen Aufbauten bestückt werden können, lassen sich sowohl für Intralogistik oder Werksverkehre als auch für externe Lieferverkehre einsetzen. Am neuen Werksstandort sollen jährlich künftig bis zu 3.000 der kompakten E-Nutzfahrzeuge der Kategorie L7E-CU produziert werden. Der Basispreis für das Fahrgestell ohne Koffer liegt bei etwa 18.000 Euro netto.
Geplant sind dabei zunächst die Fertigung von zwei Modellen. Der Tropos Able ST verfügt mit einer AGM-Batterie (8,64 kWh) über eine Reichweite von 80 Kilometern, bei einem Höchsttempo von 40 km/h. Mit einem oder zwei der 13-kWh- Lithium-Ionen-Speicher kommt der Tropos Able XR dann je nach Ausführung zwischen 105 und 260 Kilometer weit (bei Konstanttempo 35 km/h) und darf bis zu 85 km/h schnell fahren. Für Vortrieb an den Hinterrädern sorgt in beiden Fällen ein ebenfalls heckseits platzierter zehn Kilowatt starker Gleichstrom-Elektromotor, gekoppelt an ein stufenloses Einganggetriebe, bei milder Betriebsspannung von 86 Volt.

Kompakt, wendig und flexibel

Beide Modelle messen mit einer Breite von 1,40 Meter und eine Länge von 3,70 Metern sehr kompakt, verfügen aber laut Hersteller dennoch über eine der größten Ladeflächen in der Fahrzeugklasse L7E. Bei der Pritsche steht demnach eine Fläche von 2,21 x 1,32 x 0,40 Metern zur Verfügung, Platz genug für zwei Europaletten. Die Nettonutzlast inklusive Box liegt für das Format mit 565 Kilogramm ebenfalls auf ordentlichem Niveau und ergibt sich aus einem Leergewicht von knapp 987 Kilo (Pritschenversion) bei einem Gesamtgewicht von 1,55 Tonnen. Weiterer Vorteil in beengten Umgebungen wie auch in Innenstädten: Die Modelle verfügen über einen kleinen Wendekreis von nur 3,96 Metern. Die Aufbauten wiederum sollen sich durch das sogenannte Easy-Swap- System in kürzester Zeit von einer Pritschen- auf eine Kofferversion umbauen lassen. Sie stammen etwa vom Dasinger Nfz-Komponentenspezialisten Suer. Die Standardbox bietet mit 3,5 Kubikmeter ein Volumen vergleichbar mit einem VW Caddy Kastenwagen, das sich auf 2,20 x 1,35 x 1,15 Meter verteilt.
Und wer jetzt denkt, das sei mal wieder so eine „Seifenkiste“ ohne jede Sicherheit und Komfort, der wird in Anbetracht der Serienausstattung angenehm überrascht: Dazu zählen ABS-Scheibenbremsen mit Bremskraftverstärker in gar nicht mal so kleinen 14-Zoll-Rädern ebenso wie eine anständige Federung mit Automobilkomponenten und -konstruktion, eine Berganfahrhilfe, ein Airbag oder ein Seitenaufprallschutz. Der mittig und im Falle des zweiten Akkus noch heckseits verbaute Energiespeicher sowie der heckseits platzierte Motor sorgen zudem für einen niedrigen Schwerpunkt, was der Fahrstabilität zusätzlich zuträglich sein soll. Außerdem habe man die Konstruktion des Fahrzeugs, das auf einem verstärkten Stahlrohrrahmen basiert, vielfach in Crashs auf Stabilität getestet, versichert der Anbieter.
Für Komfort sorgen ein Touchscreen- Display, ein Radio, eine Rückfahrkamera, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, USBund Zwölf-Volt-Anschluss, eine Zentralverriegelung und – nicht zu vergessen – ein Warmluftgebläse. Damit kann man also etwas anfangen als Fahrer. Zudem wirken die Sitze durchaus erwachsen im Format und das Platzangebot ist gar nicht mal so übel für einen solchen „Schmalhans“. Zwei Personen finden locker Platz, vor allem der Beinraum ist topfeben und erleichtert den Durchstieg.
„Wir sehen ein enormes Potenzial für nachhaltige und ökonomisch sinnvolle Warenmobilität gerade auf der letzten Meile und auf Betriebsgeländen“, glaubt Jörg Mosolf, Vorstandsvorsitzender der Mosolf Gruppe. Gefordert seien flexible und umweltfreundliche Transporter, um CO2-neutrale Verkehre in der regionalen und der Intralogistik zu ermöglichen“, so seine Prognose. Auch aus Sicht von Gregory Hancke, Geschäftsführer von Tropos Motor Europe seien emissionsfreie, leise und kostengünstige Transportlösungen „gefragt wie nie“.
Besonders bei den Kosten soll der Able punkten: Eine TCO-Rechnung ist gerade noch im Entstehen, aber Service- und Betriebskosten sollen weit unter vergleichbaren Verbrenner-Modellen der City-Van- Klasse liegen und nur etwa ein Sechstel davon betragen. Mit knapp vier Euro an Stromkosten pro 100 Kilometer wirbt der Hersteller, was freilich vom eigenen Stromanbieter abhängt. Die dem Vernehmen nach niedrigkomplex gehaltene Wartung, die man im Falle einer vorhandenen Werkstatt auch selbst erledigen können soll, liegt einmal jährlich an. Es soll übrigens auch ein digitales Serviceheft geben. Ein Servicenetz an autorisierten Betrieben ist derzeit im Aufbau und soll in Kürze verfügbar sein.

Telematik mit Databox an Bord

Hancke verweist zudem auf die Vernetzungsmöglickeiten der Fahrzeuge über die optional verfügbare Databox mit Fernabfrage des Fahrzeugstatus, im Hinblick etwa auf Ladestand, Reichweite, Standort, Fahrtenbuch, Effizienzauswertung oder nächster Einsatz. Damit lasse sich das Leicht-Elektrofahrzeug zudem in die unterschiedlichsten digitalen Anwendungen einbinden, vom Flottenmanagement, über „Internet of Things“-Anwendungen, sogenannte Predictive Data Hubs oder Sharing-Dienste.
Das Laden hat man übrigens auch simpel gehalten: Es erfolgt schlicht über die Haushaltssteckdose, es sei keine weitere Ladeinfrastruktur nötig, das Aufladen erfolge über Nacht in sechs bis acht Stunden. Dennoch denkt man über eine schnellere Ladeoption nach. Der Tropos Able wurde vom kalifornischen Partner Tropos Motors Inc. entwickelt und für Europa adaptiert.

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