Navigation für Logistiker

Viele Speditionen nutzen Google Maps. Doch spätestens, wenn der Lkw vor einer zu niedrigen Brücke nicht weiterkommt, hat der Fahrer ein Problem.

Höhenbeschränkungen zählen zu den wichtigsten Merkmalen einer guten Lkw-Navigation. Bild: Infoware
Höhenbeschränkungen zählen zu den wichtigsten Merkmalen einer guten Lkw-Navigation. Bild: Infoware
Tobias Schweikl

Zeit- und Kostendruck zwingen Flottenbetreiber dazu, ihre Logistikprozesse zu optimieren. Lagerflächen sind teuer, und in vielen Branchen sind Just-in-time-Lieferungen eine verbindliche Vorgabe. Die Ware muss pünktlich eintreffen, um Produktionsabläufe nicht zu stören.

Eine zuverlässige Lkw-Navigationssoftware kann eine wertvolle Hilfestellung sein, damit die Fracht sicher und zur rechten Zeit von A nach B gebracht wird. Ein gutes Navigationssystem bieten neben Features zur Route individuell adaptierbare Zusatzfunktionen für die Flottensteuerung sowie eine einfache Integration in den Workflow des Zielsystems. Zwar nutzen die Fahrer vieler Speditionen für die Navigation einfach ihr Smartphone mit Google Maps. Was für Autobahnen meistens funktioniert, kann auf Strecken abseits der Autobahnen Probleme machen: Etwa, wenn Google Maps den Fahrer über Straßen schickt, die nicht auf Maße, Gewicht und Fracht des Lkw ausgelegt sind. Eine gute Navigationssoftware bietet die Möglichkeit, Attribute des Fahrzeugs zu hinterlegen – seine Abmessungen wie Länge, Breite und Höhe sowie das Gewicht und Besonderheiten bei der Fracht, etwa ob Gefahrgut geladen ist.

Auf Basis dieses Profils wird dann die beste Route berechnet: So wird vermieden, dass sich ein Fahrzeug festfährt oder stecken bleibt. Temporäre Durchfahrtssperrungen für Lkw werden berücksichtigt und Streckenabschnitte, die für die jeweilige Ladung gesperrt sind, etwa weil es sich um explosives oder grundwassergefährdendes Frachtgut handelt, werden automatisch ausgeschlossen. Wählt der Fahrer eine ungeeignete Strecke, macht ihn ein optisches und akustisches Warnsystem auf die Gefahren aufmerksam.

Online-Updates

Alte Navigationssysteme hatten oft das Problem, dass die Verkehrsmeldungen der Realität hinterherhinkten. In der Folge wusste ein System noch nichts von einem Stau oder gab eine Ausweichroute für eine Behinderung an, die gar nicht mehr existierte. Eine moderne Stauumfahrung bereitet diese Probleme nicht mehr.

Im Fall der Software „MapTrip Truck“ von Infoware zum Beispiel werden die Verkehrsinformationen von den etablierten Diensten TomTom und Here bezogen. Ändert sich der Verkehr, wird der Fahrer darüber in Kenntnis gesetzt.

Praktisch ist es, wenn das Navigationssystem Informationen aus Apps beziehen kann: beispielsweise die aktuellen Spritpreise auf Basis der App billigertanken.de. Auch eine Tankstellensuche gehört zu den Features einer guten Navigationssoftware. Wichtig dabei ist, dass nicht stur alle Tankstellen in der Umgebung angezeigt werden. Gerade auf der Autobahn ist das nicht sinnvoll, da oft ein großer Umweg gefahren werden muss, um eine auf den ersten Blick nahe Tankstelle zu erreichen. Besser ist es, wenn nur Tankstellen angezeigt werden, die entweder auf der Route liegen oder die über einen kleinen Umweg, nicht mehr als 100 Sekunden Fahrtzeit, erreicht werden. Ein sehr hilfreiches Feature für Lasterfahrer ist außerdem die Parkplatzsuche. Der Fahrer kann so sehen, wo sich routennahe Parkplätze befinden.

Apps einbinden

Ein weiteres wichtiges Feature ist eine Stauende-Warnung. Werden Lkw-Fahrer auf ein Stauende in den nächsten 1.000 Meter Entfernung aufmerksam gemacht, können sie sich vorbereiten. Dank der detaillierten Verkehrsinformationen lässt sich heute berechnen, wo die Fahrzeuge in einem Stau zum Stillstand kommen werden. Ein zeitgemäßes Navigationssystem überwacht die Strecke vor dem Fahrzeug und gibt im Staufall eine Warnmeldung aus.

Das beste Navigationssystem nutzt nichts, wenn die Karten nicht aktuell gehalten werden. Denn das Straßennetz verändert sich, Strecken werden gesperrt, Baustellen kommt dazu und werden geschlossen. In Standardgeräten wird das Kartenmaterial in der Regel auf SD-Karten gespeichert und ins Gerät gesteckt. Für eine Aktualisierung müssen sie ausgetauscht werden. Die SD-Karten einer ganzen Flotte zu wechseln, erfordert erheblichen manuellen und organisatorischen Aufwand. Moderne Navigationssysteme dagegen greifen über das Internet auf die Routen zu. Sie und die Verkehrsinformation werden über den Server aktualisiert und sind deswegen immer aktuell. ts