Continental: On-Board-Wiegesystem informiert über Achslasten

Ein digitales Bord-Wiegesystem liefert Informationen über das Fahrzeuggesamtgewicht und Achslasten bereits vor Fahrtantritt und hilft, die neue EU-Verordnung für häufigeres Wiegen einzuhalten.

Voll im Bilde: Die Dispo kann sich mit dem System über den Beladungszustand der Zuge informieren. | Foto: Conti
Voll im Bilde: Die Dispo kann sich mit dem System über den Beladungszustand der Zuge informieren. | Foto: Conti
Johannes Reichel

Der Hannoveraner Komponentenspezialist Continental hat jetzt ein On-Board-Wiegesystem (OBWS) vorgestellt, das das Gewicht von Nutzfahrzeugen inklusive des Anhängers oder Sattelaufliegers schnell darstellen soll. Dies erfolge bereits vor Fahrtantritt und unabhängig von einer stationären Waage, erklärt der Hersteller. Weitere Funktionen ermöglichten Effizienzsteigerungen, die weit über die Einhaltung der EU-Direktive 2015/719, die im Mai 2021 in Kraft tritt, hinausgehen, verspricht der Anbieter weiter. Die Verordnung schreibt den EU Mitgliedsstaaten eine häufigere Messung des Gesamtgewichts von Nutzfahrzeugen vor. Das sei bislang kaum möglich und stelle die Akteure vor besondere Herausforderungen, zumal, wenn der Sattelauflieger wie üblich vom Spediteur bereitgestellt werde, schilder Conti den Hintergrund der Entwicklung.

Die meisten EU-Länder setzten zur Erfüllung der neuen Vorgaben derzeit vorrangig auf eine flächendeckende, in die Straßeninfrastruktur eingebettete Lösung, so die Hannoveraner weiter. Das On-Board-Wiegesystem biete einen Mehrwert, der über die regulatorischen Anforderungen hinausgeht.

„Selbst wenn Achslasten und Gesamtgewicht künftig über Sensoren in der Fahrbahn gemessen werden, bleibt die fahrzeugbasierte Lösung für Speditionen, Flottenmanager und Fahrer interessant“, wirbt Marc Leinemann, der als technischer Projektleiter bei Continental an der Entwicklung des On-Board-Wiegesystems beteiligt ist.

Lasse sich das Gewicht bereits vor der Fahrt feststellen, könnten die Fahrzeuge effizienter und auch sicherer beladen werden. Eine verbesserte Ausnutzung der gesetzlichen Ladekapazitäten werde erreicht. Die bereitgestellten Daten ermöglichten zudem eine vorausschauende Wartung und ließen sich als Grundlage für neue Geschäftsmodelle dienen, etwa im Zusammenhang mit lastabhängigen Transporttarifen.

Sensor ermittelt per Ultraschall Beladungszustand

Luftgefederte Fahrwerke eignen sich besonders gut zur kontinuierlichen Ermittlung des Beladungszustandes jeder einzelnen Achse. Aber auch für stahlgefederte Achsen habe man maßgeschneiderte Lösungen. Bei luftgefederten Fahrzeugen ermittelt ein Sensor via Ultraschall die Höhenlage und den Druck von Luftfedern, um den Beladungszustand der Achse zu ermitteln. Davon abgeleitet ist ein parallel zum Stoßdämpfer montierter Höhensensor für nicht luftgefederte Fahrzeugachsen. Er erfasst den Federweg der Blattfederung und gibt so Auskunft über den Beladungszustand der jeweiligen Achse. Sowohl für stahl- als auch für luftgefederte Achsen eigne sich zudem der Dehnungssensor von Continental. Er misst die Verspannung des Achskörpers und ermöglicht damit die Ermittlung der Achslast. Die Summe der Achslasten ergibt das Fahrzeuggewicht inklusive Beladung, skizziert der Hersteller weiter.

System aus einer Hand

In allen vier Fällen werden die erhobenen Daten gesammelt, weitergeleitet, ausgewertet und die Ergebnisse schließlich via App auf dem Smartphone des Fahrers oder auf einem Display im Fahrerhaus angezeigt. Fuhrparkmanager könnten die Daten ebenfalls abrufen und die Auslastung ihrer Flotten optimieren. Alle Produkte und Services bietet man als komplettes System aus einer Hand, von der Hardware bis zur Software.

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