Ungarn: Erb kommt zum Kunden

Erb Transporte will seine Sonderfahrten ökologischer und wirtschaftlicher gestalten und eröffnet dafür Anfang Juli eine neue Niederlassung in Budapest.

Seit Juli hat Erb auch in der ungarischen Hauptstadt Budapest eine Niederlassung. (Foto. Erb Transporte)
Seit Juli hat Erb auch in der ungarischen Hauptstadt Budapest eine Niederlassung. (Foto. Erb Transporte)
Christine Harttmann

Im Unternehmen hätten sich die Transportaufträge in Richtung des osteuropäischen Nachbarn in den vergangenen Jahren gehäuft, so Geschäftsführer Wolfgang Erb.

„Die Entscheidung, in Budapest eine Niederlassung zu eröffnen, ist für uns eine logische Konsequenz.“

Der In Vaihingen an der Enz ansässige Spezialist für Sonderfahrten wickelt für seine vor allem zur Automotive-Branche gehörenden Kunden ausschließlich Sonderfahrten, also außerplanmäßige und in der Regel eilige Fahrten vom Versender zum Empfänger ab. Danach müssen die Fahrzeuge wieder zurück zum heimischen Standort – und das möglichst nicht leer. Das habe einerseits ökologische Gründe, andererseits aber seien mittlerweile auch Sonderfahrten nur noch als Hin- und Rücktour lukrativ.

Rundlaufpreise, bei denen der Kunde auch den Rücktransport des Fahrzeugs bezahlt hat, gehören laut Erb längst der Vergangenheit an. Die Frachterträge seien daher im Laufe der Jahre immer weiter gesunken. Hier spiele sicherlich auch der starke Wettbewerb eine Rolle, der mittlerweile europaweit Akquise betreibt. Erb fügt hinzu:

„Wir haben schon länger darüber nachgedacht, uns in Ungarn anzusiedeln.“

Den Ausschlag, es zu tun, gab schließlich ein neuer Kunde, der im Großraum Budapest mehrere Werke hat. Der Spezialist für Sonderfahrten ist damit nah an seinem Auftraggeber dran und kann für ihn nun umgekehrt auch Sonderfahrten nach Deutschland erledigen, die laut Erb bereits vermehrt anfallen.

Die Entscheidung habe, sagt Erb, auch der osteuropäische Wettbewerb beeinflusst.

„Osteuropäische Spediteure ziehen zunehmend mit ihren Hauptsitzen nach Deutschland, um neue Kunden zu gewinnen, also können wir genauso gut, unseren ungarischen Standort nutzen, um dort Akquise zu betreiben.“

Die Ausschreibungen für Sonderfahrten und auch die Vergabe seien ohnehin mittlerweile international. Durch die neue Niederlassung in Budapest erhofft sich Erb, bei seinen Kunden häufiger zum Zuge zu kommen.

Innerhalb Ungarns will der Unternehmer jedoch keine Umfuhren anbieten. Wie er betont, steht die Wirtschaftlichkeit der Transporte immer im Fokus.

„Uns geht es um die Rückfracht nach Deutschland oder auch mal weiter nach Frankreich.“

Über die Jahre hinweg hat Erb Transporte ein eigenes Unternehmernetzwerk aufgebaut. Heute zählen dazu mehrere hundert Frachtführer. Zudem beschäftigt der Unternehmer etwa 25 festangestellte Fahrer inklusive Aushilfsfahrer und setzt bei den Sonderfahrten mittlerweile vor allem Transporter, Planen-Sprinter, 7,5-, 12- und 40-Tonner ein, insgesamt umfasst seine Flotte derzeit 25 Fahrzeuge. Inzwischen sind vier ungarische Fahrer bei ihm beschäftigt, die sehr gut deutsch sprechen und mit ihren Familien in Deutschland leben.

Seit dem Start in Budapest vor ein paar Wochen hat Erb Transporte bereits eine Hand voll Kunden über den neuen Standort mit Direktfahrten in Richtung Deutschland gewonnen. Vor Ort sitzt bislang ein Kollege, der für Verkauf und Disposition verantwortlich ist.

„Wir sehen bereits nach dieser kurzen Zeit, dass es trotz Corona und Sommerferien funktioniert und sich der Standort wirtschaftlich tragen wird“, lobt Erb die erste Phase.

Geplant ist darüber hinaus, die Chancen des Marktes auszuloten, sich in Sachen Kunden breiter aufzustellen und die Niederlassung möglicherweise künftig auch mit Fahrern und Fahrzeugen zu besetzen. „Ich sehe unser Engagement in Ungarn als Möglichkeit, unser Know-how zu erweitern“, resümiert er.

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