Neuer Mercedes-Benz Arocs: Innovation auf dem Bau

Reduzierter Kraftstoffverbrauch, Sicherheit im Baustellenverkehr, mehr Vernetzung – mit dem neuen Arocs profitiert auch Daimlers Bau-Lkw von den Innovationen der neuen Modellgeneration.

Die neuen Arocs erhalten die jeweils aktuelle technologische Generation von Assistenz- und Sicherheitssystemen. | Bild: Daimler
Die neuen Arocs erhalten die jeweils aktuelle technologische Generation von Assistenz- und Sicherheitssystemen. | Bild: Daimler
Tobias Schweikl

Mercedes-Benz hat seinen neuen Bautstellen-Lkw Arocs präsentiert: kräftige Motoren, vielfältige Antriebskonfigurationen und ein robustes Fahrwerk sollen als tragkräftige Basis für branchengerechte Aufbauten dienen. Integriert wurden in die neue Generation des Baustellen-Lkw die jeweils aktuelle technologische Generation von Predictive Powertrain Control (PPC), Abbiege-Assistent, Active Brake Assist sowie Marktpremieren wie die MirrorCam, das Multimedia Cockpit sowie die Connectivity-Plattform Truck Data Center (TDC).

Die erweiterte Tempomat- und Getriebesteuerung Predictive Powertrain Control ist in der aktuellen Generation auch im Überlandverkehr einsetzbar und ermöglicht damit auch dem Arocs, der häufig auf Landstraßen unterwegs ist, Fortschritte bei der Verbrauchsreduzierung. Neben einem GPS-Ortungssystem nutzt das System digitale Straßenkarten, die Daten über Topografie, Kurvenverläufe, geometrische Beschaffenheit von Kreuzungen und Kreisverkehren sowie Verkehrszeichen enthalten. Der Arocs kann so nicht nur in Gefällen und an Steigungen, sondern auch auf kurvigen Straßen zwischen Städten und Ortschaften immer den für den Verbrauch passenden Gang und die passende Geschwindigkeit zu wählen.

Felix Amann, Fahrer des Schüttgutspezialisten Meichle + Mohr hatte bereits Gelegenheit, den neuen Arocs auf Landstraßen rund um den Bodensee zu testen. Er freut sich über die Unterstützung des neuen Systems. „Dank des neuen Predictive Powertrain Control kann ich jetzt auch über Land entspannter mit Tempomat fahren.“ Und Roland Maier, Fuhrparkleiter bei Meichle + Mohr, ergänzt: „Selbst ein extrem guter und streckenkundiger Fahrer erreicht im Überlandverkehr nicht die Verbrauchswerte des neuen Arocs mit dem verbesserten PPC.“ Bis zu fünf Prozent sparsamer soll der Arocs damit im Vergleich zu Modellen ohne die intelligente Tempomat- und Getriebesteuerung unterwegs sein. PPC ist auch für Schwerlasttransporter bis 120 Tonnen, Allradfahrzeuge und Fahrzeuge mit Hydraulic Auxiliary Drive (HAD) oder Turbo-Retarder-Kupplung (TRK) verfügbar – mit Ausnahme der Betonmischer.

Digitaler Rückspiegel

In Kombination mit der MirrorCam soll die Verbrauchsersparnis aufgrund der optimierten Aerodynamik der stromlinienförmigen Kameragehäuse seitlich am Dachrahmen der Kabine sogar noch besser ausfallen. Das optionale System ersetzt die herkömmlichen Haupt- und Weitwinkelspiegel und besteht aus zwei nach hinten gerichteten Kameras, deren Bilder auf zwei 15 Zoll großen Displays an der A-Säule im Fahrerhaus angezeigt werden.

Die Kameratechnologie bietet aber auch beim Handling Vorteile. Es erleichtert den Fahrern im Bauzulieferverkehr mit seinen zahlreichen Abladestellen die Arbeit auf und abseits befestigter Wege. Der Wegfall der Spiegel erlaubt zum einen eine deutlich verbesserte Rundumsicht. Der Fahrer hat selbst schräg vor den Lkw eine sehr gute Sicht. Ein Bereich, der sonst von den Spiegelgehäusen verdeckt würde. Zum anderen ist es nicht möglich, dass der Fahrer die Spiegel falsch einstellt. Denn die Kamera sieht aus jeder Perspektive das gleiche vollständige Bild.

Außerdem bietet die MirrorCam dem Fahrer eine Reihe von Hilfsfunktionen. Zum Beispiel schwenkt der Blickwinkel auf dem kurveninneren Display so mit, dass der Fahrer immer die optimale Sicht auf den Auflieger hat. Beim Rangieren oder beim Spurwechsel hilft die Projektion von Distanzlinien in das Bild, den Abstand zu nachfolgenden Fahrzeugen einzuschätzen.

Die MirrorCam arbeitet Hand in Hand mit dem Mercedes-Benz Abbiege-Assistent zusammen. Das Assistenzsystem kann dazu beitragen, Unfälle beim Rechtsabbiegen auf der Beifahrerseite zu vermeiden, indem es den Fahrer optisch und akustisch vor einer Kollision warnen kann. Der Abbiege-Assistent im neuen Mercedes-Benz Arocs ist in der Lage, Hindernisse rechts vom Fahrzeug über die gesamte Zuglänge zu erkennen und davor zu warnen. Dazu berechnet es die Schleppkurve des Trailers. Ist die MirrorCam verbaut, stellt der Abbiege- Assistent Warnhinweise im rechten Display dar.

Brems- und Abbiegeassistenten

Ab Juni 2021 wird ein weiteres Sicherheitsassistenzsystem für zahlreiche Arocs-Baumuster verfügbar sein: der Active Sideguard Assist (ASGA). Das neue System kann den Fahrer nicht mehr nur vor auf der Beifahrerseite befindlichen und sich bewegenden Radfahrern oder Fußgängern warnen, so wie es der Abbiege-Assistent tut, sondern bis zu einer eigenen Abbiegegeschwindigkeit von 20 km/h auch eine automatisierte Bremsung bis zum Stillstand des Fahrzeugs einleiten, wenn der Fahrer nicht auf die Warntöne reagiert. Der ASGA kann über den Lenkwinkel die Notwendigkeit dieses Bremseingriffs erkennen und im Idealfall eine mögliche Kollision verhindern.

Einen Beitrag für noch mehr Sicherheit soll auch die inzwischen fünfte Generation des Active Brake Assist (ABA) leisten. Das System kann dank der Kombination von Radar- und Kamerasystem im Geschwindigkeitsbereich bis 50 km/h noch besser auf Personen reagieren. Das kann gerade bei Fahrten in Ortschaften ein Sicherheitsgewinn sein. Unabhängig davon, ob es sich um ein stehendes oder vorausfahrendes Fahrzeug oder um einen ungeschützten Verkehrsteilnehmer wie einen Radfahrer oder Fußgänger handelt. Im Bedarfsfall kann das Sicherheitssystem eine automatisierte Vollbremsung innerhalb der Systemgrenzen bis zum Stillstand einleiten. ABA 5 bleibt aber ein Assistenzsystem. Der Fahrer trägt weiterhin die volle Verantwortung für das sichere Führen des Lkw.

Um den Fahrer mit Warnhinweisen Die Warnung von Gefahren und weiteren wichtigen Informationen nicht zu überlasten, wurde das Multimedia Cockpit entwickelt. Dieses ersetzt das klassische Kombi-Instrument und informiert den Fahrer über alle wesentlichen Fahr- und Betriebszustände. Dazu zählen auch die Informationen über sämtliche Assistenzsysteme.

Multimedia-Cockpit

Das Multimedia Cockpit gibt es in zwei Ausführungen. Es beinhaltet immer ein Radio-Infotainmentsystem, das optionale Multimedia Cockpit Interactive hat ein 12“ Kombiinstrument statt eines 10“ Display. Ferner verfügt es über zwei wählbare Anzeigendesigns „Classic“ und „Advanced“, eine truckspezifische Navigation, Remote Online sowie die Verkehrszeichenerkennung.

Ein weiteres wichtiges Ziel war, Aufbau und Multimedia Cockpit eng miteinander zu verknüpfen. So ist es nun nicht mehr nötig, das Kombiinstrument zu zerlegen, um vom Aufbauhersteller gewünschte Symbole darstellen zu können. Die Symbole lassen sich beim Servicepartner über eine sogenannte XENTRY-Diagnose aus einer Fahrzeugbibliothek konfigurieren. Bis zu fünf virtuelle Schalter sind nach Wunsch für das primäre Display des Multimedia Cockpits wählbar. Die Schalter mit integrierter Kontrollleuchte zeigen dann jeweils den Status an, in dem sich der Aufbau befindet – beispielsweise, ob Aufbauscheinwerfer eingeschaltet oder Kranstützfüße ausgefahren sind.

Zum Multimedia Cockpit gehört ein zweiter Bildschirm, der das herkömmliche Schalterbedienfeld rechts vom Lenkrad ergänzt. Dieses Sekundärdisplay ist als Multimedia Touch Display ausgeführt. Per Fingertipp kann der Fahrer mehrere Funktionen steuern. So kann er unter anderem über bis zu fünf virtuelle Schalter nicht sicherheitsrelevante Aufbaufunktionen bedienen. Auch Heizung, Klimaanlage und Telefonie werden vom sekundären Display gesteuert. Außerdem lassen sich über den Touchscreen ausgewählte Apps des Mercedes-Benz Truck App Portals nutzen.

Über das Multimedia Touch Display erhält der Fahrer zudem Informationen zu Reifendruck und Achslast. Außerdem ist die digitale Anzeige in der Lage, Bilder von bis zu vier Kameras darzustellen. Damit lässt sich der Aktionsradius des Fahrzeugs überwachen.

Vollständig vernetzt

Der Mercedes Arocs ist immer online. Basis dieser Vernetzung ist das Truck Data Center Modul (TDC). Es empfängt Daten beispielsweise von Sensoren und Kameras im Lkw und kommuniziert mit externen Systemen wie dem Service- und Wartungsmanagement Mercedes-Benz Uptime und Fleetboard.

Der Uptime Dienst prüft fortwährend Zustandsmeldungen von Fahrzeugsystemen, die mit Sensoren ausgestattet sind. Auch der Zustand von Verschleißteilen und Betriebsmitteln gehört dazu. Deutet sich ein Reparatur- oder Wartungsbedarf an, meldet sich der Lkw automatisch an den Mercedes-Benz Service.

Die Daten werden in Echtzeit analysiert und mit konkreten Handlungsempfehlungen an die Service-Organisation weitergeleitet. Droht der Ausfall eines Lkw, kontaktiert sie den Kunden und organisiert den Werkstattstopp entlang der geplanten Route. Zudem wird Reparatur- und Wartungsbedarf automatisch an dem vom Kunden benannten Mercedes-Benz Servicepartner übermittelt. Er bündelt dann anstehende Arbeiten und vereinbart mit dem Kunden einen Termin, der auf die Tourenplanung abgestimmt ist. Über das „Truck App“-Portal können Fuhrparkmanager und Disponenten weitere Tools installieren.

Varianten

Für den Mercedes-Benz Arocs werden mehrere Fahrerhäuser und Motoren mit Leistungen von 175 kW (238 PS) bis 460 kW (625 PS) sowie verschiedene Antriebsvarianten sowie Radformeln angeboten. Das Arocs Programm umfasst Radformeln von 4x2 und 4x4 über die Dreiachser in 6x2, 6x4 bis 6x6. Die Vierachser sind als 8x2 mit Nachlaufachse lieferbar, als 8x4, 8x4 mit Nachlaufachse, als 8x6 und 8x8. Im Angebot befinden sich Stahl- und Luftfederung, Rahmen für den überwiegenden Straßen- oder Offroad-Einsatz, zahlreiche Radstände, Fahrerhäuser für Tagestouren und den Fernverkehr und drei Allradsysteme. Schwerlastzugmaschine und Sonderfahrzeuge runden das Angebot ab.

Für Fahrzeuge, die vorwiegend auf der Straße unterwegs sind, aber gelegentlich einen Ausflug in schwieriges Gelände wie Baustellen und Steinbrüche unternehmen müssen, gibt es wieder den zuschaltbaren hydraulischen Vorderradantrieb Hydraulic Auxiliary Drive (HAD).

Der HAD arbeitet bis zu einem Tempo von bis zu 30 km/h und erzeugt das nötige Maß an zusätzlicher Traktion, um beispielsweise auch auf rutschigen Wegen anspruchsvolle Steigungen zu bewältigen. Pro Rad stehen laut Hersteller bis zu 40 kW zusätzliche Antriebsleistung zur Verfügung. Der HAD kann gegenüber einem permanenten Allradantrieb Kosten-, Gewichts- und Verbrauchsvorteile haben.

„HAD eignet sich für uns, weil wir meist nur kurz maximale Traktion benötigen. Das System bringt uns rund 500 Kilogramm mehr Nutzlast pro Fuhre“, sagt die selbstfahrende Unternehmerin Doreen Trabert. Gegenüber einem zuschaltbaren Allrad betrage der Vorteil immer noch 350 Kilogramm.

Für besonders harte Einsatze ist die Turbo-Retarder-Kupplung (TRK) gedacht. Als Kombination aus hydraulischer Anfahrkupplung und Retarder in einer gemeinsamen Komponente ermöglicht sie auch unter hoher Last feinfühliges Anfahren und Rangieren selbst bei niedrigsten Geschwindigkeiten. Als Primärretarder entwickelt sie eine Bremsleistung von 350 kW (476 PS). Gemeinsam mit der bis zu 475 kW (646 PS) starken High Performance Engine Brake sorgt die TRK für hohe Leistungsfähigkeit.

„Das automatisierte Getriebe in Verbindung mit der TRK erleichtert das Fahren deutlich“, berichtet Fahrer David Ewan vom schottischen Unternehmen McIntosh Heavy Logistics.

Vorkonfektionierte Spezialisten erleichtern dem Kunden die Auswahl:

  • Der Arocs Loader ist als zweiachsige Sattelzugmaschine oder als Betonmischer-Fahrgestell auf niedriges Eigengewicht und hohe Nutzlast ausgelegt.
  • Der Arocs Grounder ist ein extrem robustes Fahrzeug für besonders herausfordernde Einsätze.
  • Die Zugmaschinen der SLT-Baureihe mit drei, vier und sogar fünf Achsen bewähren sich bei Schwerlast- und Großraumtransporten bis 250 Tonnen Gesamtzuggewicht.

Für alle Vierachser ist nun auch eine stehende Abgasanlage ab Werk verfügbar. Mit ihr entsteht seitlich am Rahmen zusätzlicher Bauraum für An- und Aufbauten wie zusätzliche Kraftstofftanks oder Staukästen. Weiterer Vorteil dieser Lösung im Vergleich zur bisherigen seitlichen Abgasanlage, bei der lediglich das Abgasrohr steht, ist das verringerte Gewicht.

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