Truck & Trailer: Corona verändert die Arbeitswelt

Die Pandemie hat die Welt im Griff. Auch auf den Bereich Fahrzeugmiete hatte und hat Corona nicht zu unterschätzende Auswirkungen. Gerhard Künne, Geschäftsführer der EURO-Leasing GmbH, berichtet über ein herausforderndes Jahr und was sich daraus für die Zukunft lernen lässt.

Nadine Bradl

Im Bereich Fahrzeugmiete berichten viele Anbieter von einem starken Zuwachs durch die Corona-Pandemie. Können Sie das für Truck- & Trailerservices bei Euro-Leasing auch bestätigen?

Gerhard Künne: In gewisser Weise schon. Insgesamt muss man sagen, dass wir im Lkw-Bereich stabil aufgestellt sind. Aktuell verzeichnen wir eine sehr gute Auslastung in unserem Bereich „Truck & Trailer“. So führen unter anderem zusätzliche Anfragen potenzieller Kunden dazu, dass wir unsere Flotte stetig aufstocken. Zurzeit umfasst diese 3.100 Trucks und 2.500 Trailer. Perspektivisch werden wir in den kommenden Monaten zusätzlich mehr als 600 neue Fahrzeuge wie zum Beispiel Hydrodrive, Standardwechsler, Verteiler (7,5 Tonner: Koffer, Kühler, Plane), Absetzer, Abroller und Kipper in unsere Flotte einsteuern. Unabhängig davon beobachten wir aber auch einen erhöhten Bedarf an Flexibilität bei unseren (potenziellen) Kunden, dem wir mit unseren Truck- & Trailerservices vermehrt nachkommen können.

In den nächsten drei Jahren planen wir mit MAN Rental einen Flottenaufbau um mehr als 10.000 Fahrzeuge. Auch das Trailergeschäft wird uns künftig nennenswerten Wachstum bringen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Pandemie im Bereich Fahrzeugmiete gemacht?

Die Coronapandemie hat uns verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich krisenfest aufzustellen und es vor allem auch zu bleiben. Diesbezüglich haben wir für uns verschiedene Maßnahmen ergriffen und implementiert. Wie eingangs bereits beschrieben, fordert der Markt durch die aktuelle Zeit immer mehr Flexibilität, die wir durch unterschiedliche Services sowie Produkte abbilden und sicherstellen. Konkret geht es hier um das Bedürfnis nach mehr flexibler Mobilität. Stichwort „Kurzzeitmiete“, für die wir einen erhöhten Bedarf bei (potenziellen) Kunden wahrnehmen. Insgesamt bauen wir solche Angebote weiter aus und optimieren diese entlang der Bedürfnisse unserer Kunden.

Was hat sich dadurch kurzfristig verändert?

Kurzfristige Veränderungen haben wir bei vielen unserer Angebote beobachten können. Sowohl unsere Finanzierungs-, als auch Leasing- und Mietangebote erhalten derzeit eine größere Aufmerksamkeit. Das haben wir genutzt, um uns noch weiter an unseren Kunden auszurichten und flexible Lösungen für die aktuellen Probleme der Branche zu finden. So sind wir zum Beispiel hinsichtlich der Zahlungsmoratorien oder Stundungen flexibel auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingegangen, was vielen Logistikern sehr geholfen hat. Abseits davon haben wir uns aber auch mit einem beweglicheren Finanzierungsmix in unserer Fahrzeugflotte auseinandergesetzt. Besonders was Flexibilität angeht, bietet die Miete viele interessante Optionen. Wir nehmen wahr, dass Transport- und Logistikunternehmen trotz unvorhersehbarer Marktveränderungen handlungsfähig und mobil bleiben müssen. Um darauf reagieren zu können, haben wir mit der Kurzzeitmiete von MAN Rental ein Produkt in unserem Portfolio, mit dem unsere Kunden kurzfristigen Bedarf von einem Tag bis zu mehreren Monaten decken können. Wer bei langen Vertragslaufzeiten eine Ausstiegsoption haben möchte, weil er zum Beispiel noch nicht weiß, wie sich sein Geschäft entwickeln wird, kann dafür unseren Early Out Service nutzen. Hierbei akzeptiert der Mieter etwas höhere Monatsraten, hat aber die Möglichkeit, vorzeitig das Mietfahrzeug zurückzugeben und den Vertrag zu beenden.

Was waren/sind die größten Herausforderungen?

Die wohl größte Herausforderung, vor der wir am Anfang der Coronapandemie standen, waren wohl die kurzfristigen Anpassungen unserer Prozesse, bei denen wir in direktem Kundenkontakt stehen. Konkret sprechen wir dabei über die Realisierung einer kontaktlosen und sicheren Fahrzeugübergabe und Rückgabe. Das hat uns organisatorisch einiges abverlangt, hat letztlich aber gut geklappt. Aber auch die Organisation des Geschäftsbetriebes auf möglichst viel mobiler Arbeit war anfangs sehr herausfordernd. Insgesamt muss man aber sagen, dass wir frühzeitig alle notwendigen Maßnahmen einleiten konnten, um gut durch diese schwierige Zeit zu kommen. Heute sind viele dieser Maßnahmen Teil unserer normalen täglichen Arbeit im Unternehmen geworden.

Welche Lehren zieht Euro-Leasing daraus? Ergeben sich Veränderungen für die Zukunft?

Insbesondere das Lkw-Geschäft ist noch sehr analog aufgestellt und von persönlichen Abschlüssen geprägt. Sowohl bei der Antragsstrecke als auch der Rückgabe waren wir bei Ausbruch der Pandemie mehr oder weniger gezwungen, digitale Workarounds zu erstellen. Ziel ist es jetzt, diese Erfahrungen dafür zu nutzen, noch onlinefähiger zu werden. Gerade das diskussionswürdige Thema „Rückgabe“ kann durch Digitalisierung und damit Standardisierung deutlich optimiert werden. Wir arbeiten schon seit mehreren Jahren mit digitalen Prozessen im Rahmen unserer Fahrzeugrücknahmen, wobei wir diese regelmäßig auf mögliche neue Standards prüfen und bei Bedarf aktualisieren. Darüber hinaus sind zum Beispiel das Scannen von Lkw denkbar, um die Schadensaufnahme zu vereinfachen. Ein flächendeckender Einsatz solcher Technologien setzt natürlich eine gewisse Größe voraus. Aktuell arbeiten wir noch nicht mit digitalen Fahrzeugscannern, aber wir beobachten mit unseren Dienstleistern den Markt und die Möglichkeiten, um unsere Abwicklung so schlank und schnell wie möglich zu gestalten. Auf unserem Weg zur Digitalisierung kann uns die Zusammenarbeit mit MAN, die wir jetzt weiter vertiefen und buchstäblich miteinander verzahnen, sicherlich nur nutzen.

Generell wage ich in punkto Arbeitswelt zu behaupten, dass Corona diese verändern wird. Davon wird auch die der EURO-Leasing nicht ausgenommen sein. Die gesamte Wirtschaft wird in Hinblick der schon angedeuteten Digitalisierung einen großen Sprung nach vorne machen, was meiner Meinung nach gut ist. Corona hat bewiesen, dass Onlinemeetings grundsätzlich super funktionieren. Viele Unternehmen werden sich also fragen, ob zum Beispiel Dienstreisen in dem bisherigen Maße überhaupt noch notwendig sind. Neben positiven Auswirkungen auf die Umwelt könnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel Zeit gewinnen, wenn sie weniger Zeit auf Reisen sind. Gleichzeitig sparen die Unternehmen Reise- und Übernachtungskosten. Wenn wir es also richtig angehen, können wir hier einiges verbessern.

Das Interview führte Nadine Bradl

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