Ein wahrer Goldie – der Oldie

36 Jahre lang nahm er Baumaschinen huckepack und war ein treuer Begleiter für seinen Herrn – die E. Flückiger AG aus dem Schweizer Kanton Aargau. Seit 2000 im Ruhestand, erstrahlt der Tiefbettanhänger von Scheuerle in neuem Glanz und dreht nun etwas gemächlicher seine Runden auf diversen Oldtimer-Treffen.

Foto: Roland Schöni
Foto: Roland Schöni
Redaktion (allg.)

Seit 1964 war der Tiefbett-Anhänger Teil des Fuhrparks der E. Flückiger AG und bewährte sich im harten Baualltag, indem er viele Jahre lang zuverlässig Baumaschinen transportierte. Das Fahrzeug leistete 36 Jahre treue Dienste im Bau- und Entsorgungsgewerbe. Der Tiefbettanhänger vom Typ T3641L hat seinen Ursprung in Pfedelheim, im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs. Scheuerle ist einer der ältesten Hersteller von Schwerlastfahrzeugen in Deutschland. Fahrzeuge von Scheuerle haben schon Jumbo- Jets und Ölplattformen transportiert. Seit 1988 gehört die Firma zur Transporter Industry International Group (TII Group) von Unternehmerfamilie Otto Rettenmaier. Wie kam der Tiefbett-Anhänger nun in die Schweiz? Angeschafft wurde er von Fritz Flückiger, seinerzeit Chef der E. Flückiger AG (FLAG) aus Rothrist im Schweizer Kanton Aargau. FLAG war zu diesem Zeitpunkt auf den Handel und die Verwertung von Alteisen sowie auf Erdarbeiten spezialisiert.
Nach sage und schreibe 36 Jahren schickte Heinrich „Heini“ Flückiger das robuste Fahrzeug in den wohlverdienten Ruhestand. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Sohn von Fritz Flückiger die Geschicke der FLAG übernommen. Zum Alteisen sollte der vielfach erprobte Transporter aber nicht kommen. Dass der Anhänger so lange im harten Geschäft der Baumaschinentransporte durchhielt, ist schon etwas ganz Besonderes. Das weiß auch Heinrich Flückiger: „Der Tiefbettanhänger von Scheuerle ist ein außerordentlich robustes Fahrzeug“. Der Direktor der E. Flückiger AG parkte es daher auf dem Betriebshof in Rothrist. Lange träumte er davon, das Fahrzeug zu restaurieren. Doch das Management des inzwischen auf 85 Mitarbeiter angewachsenen Betriebs hielt den rührigen Unternehmer davon ab, die Restaurierung anzugehen.

Ein glänzendes Geburtstagsgeschenk

Die beiden Töchter von Heini Flückiger wussten vom Wunsch des Vaters, Anhänger, Lkw und die dazugehörige Ladung zu restaurieren. Zum Geburtstag Anfang des Jahres bereiteten sie ihm gemeinsam mit den Mitarbeitern von FLAG ein ganz besonderes Geschenk. Während Heini Flückiger einen ausgedehnten Urlaub verbrachte, mobilisierten die Töchter die Spezialisten der firmeneigenen Werkstatt. Dort wurde der Anhänger schließlich vollständig und mit viel Liebe zum Detail überholt – 56 Jahre, davon 36 Jahre im anspruchsvollen Bau- und Entsorgungsgeschäft, gehen schließlich an keinem Nutzfahrzeug spurlos vorüber. Nicht mal zwei Monate benötigten die bis in die Haarspitzen motivierten FLAG-Mitarbeiter, um das Fahrzeug von Grund auf herzurichten und wieder in einen beinahe originalen Auslieferungszustand zu versetzen. Der verhältnismäßig kurze Zeitbedarf ist ein weiterer Beleg für die hervorragende Grundsubstanz des Scheuerle-Anhängers.

Auftritte als Trio auf Oldtimer-Treffen

Auch die dazugehörige Zugmaschine, ein Saurer D330BN 4x4 Baujahr 1981, richtete die Mannschaft ebenso wieder her, wie das passende Ladegut, einen Raupenbagger von Link-Belt aus dem Jahr 1966. Nun sind Anhänger, Lkw und Baumaschine bereit für die nächste Ausfahrt. Vollständig restauriert ist der robuste Tieflader 56 Jahre später noch auf der Straße unterwegs und demonstriert damit anschaulich, wie haltbar und robust Fahrzeugtechnik „Made in Pfedelbach“ ist. Mit dem Zug will Heini Flückiger nun Treffen für Nutzfahrzeug- Veteranen besuchen. Erste Zusammenkunft mit anderen Oldtimern sollte für den altgedienten „Golden Oldie“ die Weiach Historik sein. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Treffen für historische Baumaschinen auf den Mai 2021 verschoben. Der frisch erstrahlte Tiefbett-Anhänger muss sich also noch etwas gedulden, bis er mit anderen Baggern, Dampfwalzen und Kippern in der Kiesgrube im Kanton Zürich um die Wette schnacken, rattern, schnauben und knattern kann.
Spätestens dann können sich alle Fans von historischen Nutzfahrzeugen davon überzeugen, wie überaus haltbar ein Tiefbett-Anhänger aus dem „Schwabeländle“ ist.

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