Daimler: Unfallforschung macht Straßen sicherer

Radosveta Angelova

Mercedes-Benz Trucks ist bereits seit fast 50 Jahren in der Unfallforschung tätig. Zielgerichtet werden für die Trucks daher immer wieder neue Sicherheits- und Assistenzsysteme entwickelt und bereits bestehende Systeme optimiert, um mögliche Unfallszenarien zu vermeiden und Sicherheitsinnovation stetig voran zu treiben.

Eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Sicherheitssysteme spielt die Nutzfahrzeug-Unfallforschung des Unternehmens. Bereits seit 1972 nehmen die Nutzfahrzeug-Unfallforscher von Mercedes-Benz Trucks deutschlandweit ausgewählte Unfälle von Mercedes-Benz Lkw mit allen vorhandenen und ermittelbaren Informationen unter die Lupe und dokumentieren die Hinweise zum Unfallhergang, zu den beteiligten Fahrzeugen und zu den Schäden; diese Unfallanalysen fungieren als Grundlage der künftigen Verbesserungen. Auch durch stetigen Austausch mit anderen Parteien wie der Polizei, Rettungskräften oder Gutachtern können weitere Daten für die Analysen erhoben werden.

Kay Morschheuser, Leiter Nutzfahrzeug-Unfallanalysen bei der Daimler Truck AG kommentiert:

„Unsere Untersuchungen halten wir für unerlässlich, um das Verhalten eines Lkw im realen Unfall bewerten zu können. Ebenso suchen wir nach Auffälligkeiten etwa in Bezug auf die Häufigkeit von Unfallarten, die Erkennbarkeit bestimmter Ablaufmuster oder die Verletzungen der Unfallbeteiligten.“

Aktive und integrale Assistenz- und Sicherheitssysteme

Aus passiven Sicherheitssystemen der Vergangenheit wie beispielsweise Fahrerhausstruktur, Rückhalteeinrichtungen, Front- und Heckunterfahrschutz sowie Seitenschutz haben sich mit den Jahren aktive und integrale Assistenz- und Sicherheitssysteme entwickelt. Dazu gehören unter anderem das Antiblockiersystem ABS, das Elektronische Bremssystem EBS oder das Elektronische Stabilitätsprogramm ESP. Auch der Abstandshalte- und Spurhalte-Assistent, der Active Brake Assist (ABA), der Abbiege-Assistent oder der Active Drive Assist sind heute in die Baureihen der Trucks integriert. Diese aktiven Assistenz-Systeme entwickelten sich in enger Zusammenarbeit der Unfallforscher mit der Entwicklungsabteilung von Mercedes-Benz. So hilft beispielsweise der Abbiege-Assitent dabei, Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern zu vermeiden, der Active Drive Assist erlaubt teilautomatisiertes Fahren (Level 2) und die MirrorCam ersetzt die herkömmlichen Haupt- und Weitwinkelspiegel.

Crashtests

Auch Crashtests liefern wertvolle Hinweise für die sicherheitsorientiere Fahrzeugentwicklung. Die Sicherheitsexperten der Daimler Truck AG kombinieren gängige Prüfungen der Fahrerhausfestigkeit gemäß der EU-Norm ECE R 29 mit eigenen Versuchen, die sich an einer realen Unfallsituation orientieren sollen. Zukünftig sollen Crashtests nun auch in digitaler Form als reale Unfälle in Computerprogrammen nachgestellt werden, so Kay Morschheuser. Die Kombination von Crashsimulation und Unfallrekonstruktion biete die Möglichkeit, Unfälle gezielter und mit frei gewählten Parametern noch detaillierter zu untersuchen und so die Mechanismen im realen Unfall besser zu verstehen, vor allem hinsichtlich der Unfallauslöser.

Automatisiertes Fahren

Gerade für eine Zukunft des automatisierten Fahrens seien die Auswertungen der Verkehrssituation und der einhergehenden Gefahrenanalysen von hoher Relevanz, dessen Ergebnisse in einer ganzheitlichen Form der „Integralen Sicherheit“ münden sollen. Darunter verstehen die Forscher eine Kombination aus aktiven und passiven Sicherheitssystemen, die in vier Phasen unterstützen sollen: Während der Fahrt, bei Gefahr, bei einem Unfall oder letztlich auch im Falle einer Kollision. Die Effizienz dieser Maßnahmen bilden auch die allgemeinen Unfallzahlen der letzten Jahrzehnte ab. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank in Deutschland die Todeszahl der Opfer durch Lkw-Unfälle zwischen 1992 und 2018 um rund 60 Prozent und auch die Zahl der Schwerverletzten ist in diesem Zeitraum um etwa 45 Prozent zurückgegangen - dies alles bei einer gestiegenen Transportleistung um circa 80 Prozent. Brennpunkte seien jedoch nach wie vor Auffahrunfälle, Kreuzungsunfälle und Unfälle durch Abkommen von der Fahrbahn, daher arbeite das Forscherteam weiterhin nachhaltig daran, diese Aspekte auch in Zukunft besser abzubilden und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.