Elektromobilität muss effizient sein

Thomas Hartmann, Geschäftsführer Volvo Busse Deutschland, und Andreas Heuke, für elektrische und Hybridbusprojekte zuständig, im Gespräch über die künftige Entwicklung von alternativen Antrieben und Fahrerassistenzsystemen im Omnibus.

Andreas Heuke (li.), bei Volvo für elektrische und Hybridbusprojekte zuständig, und Thomas Hartmann, Geschäftsführer Volvo Busse Deutschland.
Andreas Heuke (li.), bei Volvo für elektrische und Hybridbusprojekte zuständig, und Thomas Hartmann, Geschäftsführer Volvo Busse Deutschland.
Redaktion (allg.)
Interview

>> Hybrid-, Elektrohybrid- oder voll- elektrischer Bus: Wohin geht für Volvo die Reise?

Andreas Heuke: Die Zukunft haben wir bereits hier auf dem Stand, die Zukunft besteht bei uns aus diesen drei genannten soliden Säulen. Wir sind der einzige Hersteller, der ein Full-Line-Anbieter ist und auf sämtliche verkehrlichen Ansprüche mit dem entsprechenden Antriebskonzept reagieren kann.

Thomas Hartmann: Wenn ich den Bedarf habe, auf Strecken einige hundert Meter zu überbrücken, kann ich mit einem Hybriden sehr wohl elektrisch fahren. Für uns war sehr wichtig, in kleineren Städten oder solchen, die unter Lärmimmissionen leiden, auch Fahrzeuge anzubieten, die beispielsweise aus Haltebuchten geräuschlos heraussteuern können.

Andreas Heuke: Damit habe ich die zwei wichtigsten Geräuschquellen bereits mit dem Volvo-Dieselhybrid eliminiert: Leerlauf- und Anfahrgeräusche.

Thomas Hartmann: Global ist unser Weg eindeutig ein Erfolg. Wir sprechen von 3.000 hybridisierten Volvo-Bussen, die laufen.

>> Wird es von Ihnen künftig beim E-Bus neben Opportunity-Charging- auch Overnight-Charging-Lösungen geben?

Thomas Hartmann: Unsere Kernwerte heißen Umwelt und Effizienz, und alles, was nicht effizient ist, kann nicht zielführend sein, beispielsweise mit großen Batterien durch die Gegend zu fahren. Daher ist dies mit der heute gängigen Akkutechnik ineffizient.

Andreas Heuke: Es wird sich in Kürze nichts Revolutionäres tun. Es träumen viele davon, dass wir schon bald Batterien haben, die nur noch ein Drittel wiegen, ein Zehntel kosten, fünfmal so stark und in einer Stunde aufgeladen sind. Wir glauben es nicht und sind sicher, dass wir in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren noch am galvanischen Prinzip hängen. Hier wird es graduelle Verbesserungen geben, aber keine Quantensprünge.

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>> Wo steht der Stadtbus also 2025 von der Antriebsseite her gesehen?

Thomas Hartmann: Nach dem Wunsch der Betreiber zu 50 Prozent mit elektrischem Antrieb. Aber die Rahmenbedingungen werden von ganz anderen gesetzt, und die betreffen Lärmemissionen und Luftreinheitsverordnungen. Es wird irgendwann auch die Vernunft einsetzen. Wir sehen an Projekten wie der Elektromobilität in Göteborg, wie sich Immobilienpreise verändern in Gegenden, wo diese alternativen Fahrzeugkonzepte zum Einsatz kommen.

Andreas Heuke: Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, die Menschen vom motorisierten Individualverkehr hin zum ÖPNV zu bringen, um lebenswerte Städte zu erhalten. Denn es bringt ja nichts, wenn alle gemeinsam elektrisch im Stau stehen, in einem elektrisch angetriebenen Pkw. Thomas Hartmann: Im ÖPNV der Zukunft wird es darum gehen, dass der Bus dahin fährt, wo die Kunden hinwollen, und nicht nur in die Nähe. Und zwar zu Indoorhaltestellen, quasi ans Fabrikband, ins Einkaufszentrum. Womöglich beteiligt sich dessen Pächter an den Beförderungskosten, damit die Fahrgäste und gleichzeitig Kunden trockenen Fußes zu ihm kommen. Und wenn wir über diese Direktanbindungen dem Kunden noch zehn Minuten bringen, dann ist das ein entscheidendes Kriterium, dann entscheidet die Masse.

>> Thema Assistenzsysteme: Bei welchen Ausrüstungsquoten liegt das neue Volvo Dynamic Steering (VDS) im Reisebus?

Thomas Hartmann: In den Ländern, für die ich bei Volvo zuständig bin, nämlich Deutschland, Österreich und Schweiz, haben wir VDS ins Standardausrüstungspaket integriert. Alleine der Kunde, der sie partout nicht haben möchte, kann sie als Minusoption wählen. Weltweit sind bereits 50 Prozent der in diesem Jahr ausgelieferten Reisebusse mit VDS versehen. Im deutschsprachigen Verkaufsraum rangieren wir sogar bei 90 Prozent.

>> Wie jedoch sieht das Thema im Stadt- und Überlandbus aus, wo VDS im Herbst 2017 kommen soll. Wollen knapp kalkulierende städtische Verkehrsunternehmen Geld für die Lenkhilfe ausgeben?

Thomas Hartmann: Auf der Busworld in Kortrijk 2015 hatten wir ein Simulationsmodell aufgebaut, wo man die Lenkkräfte durch An- und Abschalten von VDS erahnen konnte. Hier auf der IAA haben wir nun einen Simulator inklusive 3-D-Brille für den „Fahrer“, mit dessen Hilfe man die Wirkung von VDS anhand von Verkehrssituationen virtuell erleben kann. Es wird unsere Aufgabe sein, bei Verkehrsbetrieben über Gespräche oder auch medizinische Vorträge ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Nicht: du musst, sondern als Ergebnis einer Einsicht und Fürsorge. Ich rechne damit, dass die Ausrüstungsquote sehr hoch sein wird.

>> Ihr Unternehmen hat vor einigen Jahren die Prämisse ausgegeben, dass in absehbarer Zeit kein Volvo-Bus mehr in einen Unfall verwickelt werden soll. Wie weit sind Sie auf diesem Weg fort- geschritten?

Thomas Hartmann: Der Anspruch unserer Firma geht viel weiter: Null Unfälle mit Volvo-Produkten. Da sprechen wir auch Baumaschinen und Trucks an. Natürlich ist der Bus schon sehr sicher, hier ist die Aus- gangslage eine ganz andere. Dennoch ist jeder, der zu Schaden kommt, zu viel. Deswegen halten wir konsequent Neuerungen bereit wie eben die auf der IAA vorgestellte Fußgänger- und Fahrraderkennung. Sicherheit zählt zu unseren Kernwerten – für unsere Fahrgäste, aber auch alle Personen, die sich im Umfeld unserer Produkte bewegen.

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