„Wir müssen über den Tellerrand schauen“: Interview mit Massimo Dodoni und Josef Warmeling, Kögel

Massimo Dodoni und Josef Warmeling, beide in der Geschäftsführung des Trailerherstellers Kögel verantwortlich für den Vertrieb, über aktuelle Produktneuheiten und künftige Geschäftsfelder.

Josef Warmeling ( li.) und Massimo Dodoni, Mitglieder der Kögel-Geschäftsführung. Bild: IAA aktuell
Josef Warmeling ( li.) und Massimo Dodoni, Mitglieder der Kögel-Geschäftsführung. Bild: IAA aktuell
Redaktion (allg.)
INTERVIEW

Warum sollten die Messebesucher am Stand von Kögel vorbeischauen?

Massimo Dodoni: Wir präsentieren unseren Kunden eine Auswahl an Pritschenfahrzeugen der Kögel NOVUM-Generation. Dazu zählen unter anderem der Kögel Cargo, der Kögel Lightplus Coil und der Kögel Mega. Neben einer hohen Stabilität und einem hohen Individualisierungsgrad punkten die Auflieger der NOVUM-Generation zudem durch ein noch einfacheres Handling und je nach Modell mit deutlich mehr Nutzlast. Zudem können sich die Messebesucher auf viele neue Individualausstattungen freuen, die vor allem den Arbeitsalltag der Fahrer vereinfachen. Dazu zählen beispielsweise die neue textile Einstecklatte Kögel FastFix, die Personenschäden durch herabfallende Latten vorbeugt, der Kögel EasyFix Schiebeverdeckstopper, der das Verdeck sicher in Position hält, und der Kögel Strong & Go-Aufbau, mit dem Einstecklatten für die Erfüllung von DIN EN 12642 Code XL sowie der Daimler-Richtlinie 9.5 beim Transport von Gitterboxen und gebänderter Ladung nicht mehr nötig sind. Das ist aber noch lange nicht alles. Wir haben natürlich noch weitere Produktneuheiten. Mit dem Port-45-Triplex-Containerchassis stellen wir ein flexibles, komplett neu entwickeltes Leichtbau-Sattelcontainer-Fahrgestell mit Mittenausschub vor.

Josef Warmeling: Und natürlich haben wir auch für den Transport von Frisch-, Tiefkühlkost und Pharmaprodukten entsprechende Neuheiten. Für unseren Premium-Kühlkoffer Kögel Cool – PurFerro quality zeigen wir beispielsweise Lösungen, die den Fahrer im täglichen Einsatz unterstützen. Zudem zeigen wir am Kögel-Messestand F06 in Halle 27 unsere Value-Added-Services wie Finanzierungs-, Full-Service- und Telematiklösungen.

Ein wichtiger Teil Ihres Portfolios sind die Baufahrzeuge – Mulden-Kipper, Tieflader-Drehschemel und Tieflader-Sattel. Welche Innovationen zeigen Sie den Messebesuchern hierzu?

Warmeling: Wir spendieren auch dem Mulden-Kipper zur IAA 2018 bis zu 430 Kilogramm mehr Nutzlast. Möglich ist das durch eine Baukastenausweitung um Seiten- und Rückwände aus Aluminium. Für die 2-Achs- und 3-Achs-Mulden-Kipper mit 24 Kubikmeter Ladevolumen sind somit nicht nur unterschiedliche Wand- und Heckklappenstärken aus Stahl, sondern neu bei Kögel auch Wände und Heckklappen aus Aluminium möglich. Dank intelligenter Fügetechnik können sich Kögel-Kunden je nach Branche und Bedarf einen individuellen Mulden-Kipper mit unterschiedlichen Wand- und Bodenstärken beziehungsweise Materialien, je nach Einsatzzweck, zusammenstellen. Weitere Neuerungen im Bereich Baufahrzeuge wird es dann auf der bauma 2019 geben.

Wie sieht es mit Ihren Pritschenfahrzeugen aus, für die Sie ja schon Anfang des Jahres die neue Fahrzeuggeneration Novum vorgestellt haben?

Dodoni: Zur IAA 2018 haben wir bereits einen Großteil der Pritschenfahrzeuge auf die NOVUM-Generation umgestellt. Bereits erhältlich sind der Kögel Cargo mit 90 mm oder 120 mm Rahmenhals, der Kögel Cargo Coil, der Kögel Cargo Coil Rail, der Kögel Mega, der Kögel Lightplus und der Kögel Lightplus Coil. Weitere Coil- und Rail-Varianten folgen dann 2019.

Die IAA Nutzfahrzeuge 2018 steht ja unter dem Motto „Driving tomorrow“. Welche Zukunftsideen sind es, die Sie umtreiben?

Dodoni: Mit den bereits erwähnten Produktneuheiten und Innovationen werden wir dem IAA-Motto „Driving tomorrow“ mehr als gerecht, denn sie zeigen klar, dass wir uns bei Kögel grundsätzlich Gedanken darüber machen, wie wir den Gütertransport von morgen sicherer, einfacher und umweltverträglicher gestalten, um unseren Kunden Fahrzeuge mit nachweislich nachhaltigen Mehrwerten zu bieten.

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Der Lang-Lkw darf auf den dafür freigegebenen Strecken seit Jahresanfang offiziell fahren. Spielt das Thema in diesem Jahr auch bei Kögel eine besondere Rolle?

Warmeling: Als Erfinder des um 1,3 Meter verlängerten Sattelaufliegers Euro Trailer spielt das Thema Lang-Lkw für uns immer eine Rolle. Leider läuft der Euro Trailer unter Lang-Lkw, obwohl er deutlich kürzer ist als ein Gliederzug. Mit Inkrafttreten der 8. Änderungsverordnung Anfang 2018 ist der Kögel Euro Trailer jetzt in 15 der 16 Bundesländer einsetzbar. In elf Bundesländern darf er sogar das gesamte Straßennetz befahren. Leider gab es mit der neuen Version der Ausnahmeverordnung für Lang-Lkw keine Präzisierung in Bezug auf die Vorgabe der Kombifähigkeit. Auf Nachfrage bei den entsprechenden Stellen, ob der § 6 mit RoRo-Ausstattung erfüllt werden kann, war die Antwort eindeutig. Das Fahrzeug muss mit dem Kran bahnverladbar sein. Aus diesem Grund sind alle verfügbaren Varianten des Kögel Euro Trailer auch bahnverladbar. Kögel ist aktuell auch der einzige Hersteller, der mit dem Euro Trailer Mega Rail einen bahnverladbaren Volumenauflieger im Portfolio hat, der sich auf die gängigen Taschenwagen e und f verladen lässt. Für dieses Konzept haben wir den Europäischen Transportpreis für Nachhaltigkeit 2018 in der Kategorie Sattelauflieger erhalten.

Zusatzangebote wie Trailertelematik rücken immer weiter in den Vordergrund. Sind diese bei Kögel ein Teil der Zukunftslösungen?

Warmeling: Mit Kögel Telematics bieten wir unseren Kunden schon heute ein Kögel-Telematikmodul und ein übersichtliches, selbst erklärendes und leicht zu bedienendes Kögel Webportal. Wir als Trailer-Hersteller kennen unsere Fahrzeuge am besten und Kögel Telematics ist perfekt darauf abgestimmt. Eine ab Werk verbaute Telematik liefert oft den Mehrwert, den eine Nachrüsttelematik nicht liefern kann. Beispielsweise ist eine nachträgliche Ausstattung mit Telematik bei einem Kühler sehr aufwendig und sollte daher immer ab Werk bestellt werden, um auch auf alle wichtigen Daten des Kögel Kühlers zugreifen zu können. Wir arbeiten stetig an der Weiterentwicklung von Auswertungen und der Datenaufbereitung, um Arbeitsabläufe zu vereinfachen und die erfassten Daten sinnvoll zu verwerten. Beispielsweise bieten wir auch eine Kögel-Telematics-App. Damit sind Trailer-EBS-, Ortungs-, Kühlungs-, Reifen- und Anhänger-Daten jetzt auch einfach auf IOS- oder Android-Geräten abzurufen.

Und wie sieht es mit dem Service rund um den Trailer aus? Haben Sie auch dazu neue Ideen? Was bedeuten sie für Ihre Kunden, aber auch die Servicepartner?

Dodoni: Unsere Wachstumsstrategie beschränkt sich nicht nur auf den Vertrieb von Neufahrzeugen. Um für die Zukunft entsprechend gerüstet zu sein und die Anforderungen unserer Kunden noch schneller und flexibler zu bedienen, müssen wir über den Tellerrand des reinen Aufliegervertriebs schauen. Der Bereich After Market fällt in meinen Verantwortungsbereich. Das Kögel-Ersatzteilgeschäft verzeichnet ein kontinuierliches Wachstum. Für die letzten beiden Jahre bedeutete das eine Steigerung des Ersatzteilumsatzes im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Das liegt unter anderem daran, dass wir in den letzten Jahren im angrenzenden Ausland wie beispielsweise in Italien, Frankreich und Spanien weitere große Partner dazugewonnen haben, um unseren Kunden ein noch engmaschigeres Ersatzteilnetzwerk zu bieten. Ein Ausbau des Netzwerks folgt in weiteren Ländern. Zudem sind wir mit dem Ersatzteillager Anfang 2017 umgezogen, um dieser positiven Entwicklung Rechnung zu tragen und um ein weiteres Wachstum zu sichern. Das Ersatzteillager samt den Kögel-Abteilungen Ersatzteilvertrieb, Preisgestaltung und Teiledisposition ist vom bayerischen Standort Neu-Ulm in das baden-württembergische Ulm, genauer gesagt in die Boschstraße 25 gezogen. Dort sorgt einer der führenden Logistikdienstleister in Süddeutschland für eine noch professionellere Lagerlogistik der Kögel-Verschleiß- und Ersatzteile. Unsere Kunden und die über 700 Kögel-Servicepartner sowie die zahlreichen Ersatzteilhändler in Europa profitieren so von einer noch schnelleren Ersatzteillieferung.

Warmeling: Meine Stichworte heißen hier Finanzierung und Full-Service. Handelt es sich bisher bei Kögel Finance um Lösungen, die wir über Finanzierungspartner anbieten, setzt Kögel künftig auf ein komplett neues und speziell auf die Kögel-Auflieger abgestimmtes Konzept. Kögel Finance wird unseren Kunden also bald Services wie Finanzierung, Leasing und Mietkauf direkt aus dem Hause Kögel anbieten. Vor allem unsere Kunden aus unserem Heimatmarkt Deutschland, aber auch Kunden aus Nord- und Südeuropa fordern diesen Service heute, und in Kürze können wir ihn bieten. Wir erwarten, dass künftig ein Großteil der Auflieger über eine der genannten Finanzierungslösungen das Werk verlässt. Zur IAA 2018 überarbeiten wir zudem unser Full-Service-Angebot. Neben neuen Paketen weiten wir diesen Service zudem auf weitere Länder aus. Daneben ist Predictive Maintenance auch ein Ansatzpunkt. Hier wird die Digitalisierung mit Sicherheit ihren Beitrag dazu leisten. Im Moment arbeiten alle an diesem Thema und daran, praktikable Lösungen, die auch einen echten Kundennutzen bieten, auf den Markt zu bringen. Ich denke jedoch, dass es noch etwas dauern wird, bis wir hier soweit sind, da bis dato einfach nicht die Masse an verlässlichen auswertbaren Daten und die zur Auswertung validen Tools vorhanden sind.

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