„Intelligente Mobilität“: ein Interview mit Thomas Juraschek, Ford Werke GmbH

Thomas Juraschek, Leiter Nutzfahrzeuge Ford Werke GmbH, über den Vorteil von Hybridfahrzeugen, die Elektrifizierungsstrategie des Herstellers und im Pkw bereits bewährte Fahrerassistenzsysteme.

„Wir haben Anfang dieses Jahres angekündigt, bis 2022 über elf Milliarden Dollar in batteriebetriebene und Hybrid-Fahrzeuge zu investieren.“, Thomas Juraschek, Leiter Nutzfahrzeuge Ford Werke GmbH |FOTO: FORD WERKE
„Wir haben Anfang dieses Jahres angekündigt, bis 2022 über elf Milliarden Dollar in batteriebetriebene und Hybrid-Fahrzeuge zu investieren.“, Thomas Juraschek, Leiter Nutzfahrzeuge Ford Werke GmbH |FOTO: FORD WERKE
Redaktion (allg.)
Interview

Herr Juraschek, Ford hat nach einer kompletten Modellerneuerung Jahre mit starken Zuwächsen hinter sich. Ist das überhaupt noch zu toppen?

Thomas Juraschek: Aber natürlich. Wer sich auf seinem Erfolg ausruht, wird schnell vom Kunden abgestraft werden. Daher wollen und müssen wir zusammen mit unserem Handel auch in Zukunft hart dafür arbeiten, unsere sehr guten Verkaufszahlen weiter zu steigern. Unsere runderneuerte, attraktive Produktpalette hat das Potential für weiteres Wachstum.

Welche Neuheiten sorgen auf der IAA dafür, dass der „Lauf“ anhält, den Ford hingelegt hat?

Im Mittelpunkt unseres diesjährigen Messeauftritts in der Halle 13 steht der Ford Transit, also die größte unserer insgesamt vier europäischen Nutzfahrzeugbaureihen. Der Ford Transit, er ist im Nutzlastbereich bis zu zwei Tonnen angesiedelt, wurde gründlich überarbeitet und modernisiert.

Als bodenständige Marke setzt Ford nach wie vor auf die Optimierung des konventionellen Antriebs. Wird der Diesel (und bei City-Vans Benziner) zu früh totgesagt? Welche Highlights gibt es in diesem Bereich?

Wir präsentieren auf unserem Messestand einen Ford Transit Custom PHEV. Das Kürzel „PHEV“ steht für „Plug-in Hybrid Electric Vehicle“. Das Fahrzeug hat also ein fortschrittliches Hybrid-System, das auf einen lokal emissionsfreien Betrieb mit einer Reichweite von mehr als 50 Kilometern ausgelegt ist. Die kompakte, flüssigkeitsgekühlte Lithium-Ionen-Batterie befindet sich unter der Ladefläche des Transporters. Als Range-Extender kommt der mehrfach preisgekrönte Ford EcoBoost 1,0-Liter-Dreizylinder- Benzin-Direkteinspritzer zum Einsatz, der die Lithium-Ionen-Batterie auflädt, wenn längere Fahrten zwischen den Ladevorgängen an der Steckdose anstehen. Insgesamt ergibt sich somit eine elektrische Reichweite von mehr als 500 Kilometern. Dies bietet Betreibern ein hohes Maß an Flexibilität und Effizienz.

Derzeit wird eine Flotte dieser Fahrzeuge in London in der Praxis getestet, demnächst startet ein ähnlicher Praxistest auch in Valencia/Spanien. Die Markteinführung des Ford Transit Custom PHEV in Deutschland ist für nächstes Jahr geplant.

Es zeichnet sich also der Einstieg in die Elektromobilität ab, auch hier aber mit einem Sonderweg, zumindest bei den Nutzfahrzeugen. Warum setzt Ford beim Transit Custom auf das Hybridkonzept?

Weil wir von den Praxis-Vorteilen dieser Technologie für unsere Kunden überzeugt sind. Der Ford Transit Custom PHEV ist ein sauberes Nutzfahrzeug, es fährt lokal emissionsfrei, dürfte daher nicht von drohenden Fahrverboten in Innenstädten betroffen sein. Darüber hinaus verfügen die Fahrzeuge des Londoner Praxistests über die Geofencing-Technologie, die die Fahrzeug-Einstellungen in Abhängigkeit vom aktuellen Standort anpassen kann – beispielsweise um sicherzustellen, dass das System auf den Elektro-Modus umschaltet, sobald das Fahrzeug in eine innerstädtische Umwelt-Zone einfährt. Und die Reichweite von 500 Kilometern ist für die meisten Kunden, die das Fahrzeug im innerstädtischen Liefer- und Verteilerverkehr einsetzen, völlig ausreichend. Hinzu kommt: Die hochmoderne Plugin- Hybrid-Antriebstechnologie geht nicht zu Lasten der Nutzlast.

In anderen Worten: Der Ford Transit Custom PHEV ist ein wichtiger Teil der globalen Elektrifizierungs-Strategie der Ford Motor Company. Wir haben Anfang dieses Jahres angekündigt, bis 2022 über elf Milliarden Dollar in batteriebetriebene und Hybrid-Fahrzeuge zu investieren. Insgesamt sollen im Jahre 2022 dann 40 solcher Modelle auf dem Markt sein – 16 vollelektrische und der Rest Hybrid-Fahrzeuge wie der Ford Transit Custom PHEV.

Auch beim großen Transit gibt es Neuheiten und ein Update auf Euro 6.2. Was umfasst das und wird der „große Transit“ auch über kurz oder lang hybridisiert?

Dank moderner Abgasreinigung sind die 2,0-Liter-EcoBlue-Dieselmotoren des Ford Transit in der Tat nach Euro 6.2 eingestuft. Sie wurden insbesondere in Bezug auf den Kraftstoffverbrauch weiterentwickelt. Neu ist auch, dass ein Start-Stopp-System für alle Motorversionen nun zur Serienausrüstung gehört. Für den Kunden bedeutet dies ein Kraftstoff-Einsparpotenzial von sieben bis zehn Prozent.

Für die Versionen mit Front- und Heckantrieb führen wir beim Ford Transit die mHEVTechnologie ein. Das Kürzel steht für „mild Hybrid Electric Verhicle“ und bedeutet, dass ein integrierter Starter- Generation Bremsenergie rekuperiert, die in einer 48 Volt Lithium-Ionen-Batterie gespeichert wird. Diese Energie unterstützt dann den Motor insbesondere beim Starten und Anfahren und versorgt zudem elektrische Nebenaggregate. Verbrauchsvorteil: zwei bis vier Prozent.

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Neben dem Antrieb setzt Ford vor allem bei der Fahrer-Assistenz neue Maßstäben. Was gibt es hier neues?

Der Ford Transit kommt im nächsten Jahr umfassend überarbeitet auf den Markt, und zwar mit zusätzlichen Fahrer-Assistenzsystemen, die wir bereits im Pkw-Bereich anbieten. Hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang für den Ford Transit den Aktiven Park-Assistenten mit Ein- und Ausparkfunktion. Das optional verfügbare System erkennt dank Ultraschall-Sensoren auf Knopfdruck ausreichend große Parklücken in Längs- und Querrichtung und manövriert das Fahrzeug sicher hinein. Der Fahrer muss lediglich Gas, Bremse und Ganghebel bedienen, während der elektronische Assistent die Lenkung übernimmt. Die Ausparkfunktion hilft, engste Parklücken in Längsrichtung +sicher zu verlassen. Ebenfalls einen hohen praktischen Nutzwert hat die auf Wunsch lieferbare intelligente adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Verkehrsschild-Erkennung. Diese Technologie erlaubt es dem Fahrer, eine gewünschte Geschwindigkeit vorzugeben und das Tempo anschließend konstant zu halten. Das System stellt darüber hinaus einen zuvor vom Fahrer gewählten Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen sicher. Das System verarbeitet auch Daten aus dem Verkehrsschild- Erkennungssystem – und damit zum Beispiel auch Anzeigen von Schilderbrücken – und passt die Höchstgeschwindigkeit automatisch an.

Was sollte man sich am Ford-Stand noch auf keinen Fall entgehen lassen?

Unser Stand präsentiert sich unter dem Motto „Intelligente Mobilität“. Darunter verstehen wir unter anderem branchenoptimierte Umbau-Lösungen. Ich denke aber spontan an den Ranger Raptor, den wir ebenfalls auf unserem Stand zeigen werden. Der Ranger Raptor ist die härteste und leistungsstärkste Variante des Ford Ranger, dem meistverkauften Pick-up Europas. Sein – wie ich finde – extremes und kompromissloses Styling macht bereits auf den ersten Blick deutlich, dass dieses Fahrzeug für den ultimativen Offroad- Fahrspaß konzipiert wurde. Es handelt sich beim Ranger Raptor übrigens um kein Studien- oder Konzeptfahrzeug, das nie in Serienproduktion gehen wird. Im Gegenteil: Wir bringen den Ranger Raptor Mitte 2019 tatsächlich auf den Markt.
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